Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Hossingen geschrieben von Fritz Bodmer zum 100 jährigen Jubiläum

Wenn die Freiwillige Feuerwehr Hossingen in diesem Jahr ihr einhundertjähriges Bestehen feiert, so ist dies sicherlich ein Grund, Rückschau zu halten und festzustellen, wie diese, in allen Notfällen so hilfreiche Einrichtung in unserer kleinen Albgemeinde zustande kam und sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. In der amtlichen Kreisbeschreibung des früheren Landkreises Balingen (Bd. II) findet sich unter der Rubrik „Öffentliche Einrichtungen und Vereine“ der Hinweis: „Eine freiwillige, 17 Mann zählende Feuerwehr besteht seit 1878“.

Einige Hinweise in alten Gemeinderatsprotokollen lassen jedoch den Schluss zu, dass schon einige Jahre früher in unserem Heimatort eine kleine Feuerwehr bestanden haben muss. Unter dem Datum des 15. Januar 1876 heißt es in einem Gemeinderatsprotokoll wörtlich: „Ferner wurde beschlossen einen neuen Spritzmeister zu wählen. Infolge dessen, weil es der Alte nicht mehr fortführen will. Es wurde Balthas Pfersich gewählt, welcher es annimmt.“ Im gleichen Jahr, unter dem Datum des 28. August, findet sich ebenfalls ein ausführliches Gemeinderatsprotokoll, in dem ein Antrag des Königlichen Oberamtes, anstelle der vorhanden Tragspritze eine größere Saugspritze anzuschaffen, abgelehnt wird, mit der Begründung, dass die vorhandene Tragspritze eben erst renoviert worden sei und bei einer Schauübung an der Wette (Hülb) ihre Tüchtigkeit bewiesen hätte. Eher könne der Fall eintreten, dass für diese Spritze nicht genügend Löschwasser zur Verfügung stehe.

Am 21. Oktober 1881 wurde zufolge eines weiteren Königlichen Oberamtlichen Erlasses wiederum über die Anschaffung einer Saugspritze beraten, wobei erneut zum Ausdruck gebracht wurde, dass eine neu renovierte Tragspritze vorhanden sei. Der Gemeinderat beschloss jedoch vier kleine Dachleitern anzuschaffen, sowie die vorhandenen zwei Feuerleitern mit Stützen wieder herzurichten.

Auch am 19. März 1886 waren die Gemeinderäte von Hossingen der Obrigkeit gegenüber widerborstig, obwohl Oberamtsbaumeister und Bezirksfeuerwehrlöschinspektor Heinz anwesend war und auf die Neuorganisation der Löschanstalten und der zugehörigen Vollziehungsordnung hinwies und entsprechende Beschlüsse erbat. Der Gemeinderat beschloss jedoch lediglich die Anschaffung einer Saugspritze (Handspritze), vier Dachleitern und einer Schlauchbrücke.

Mit dem Jahre 1887 kam dann endlich der notwendige Durchbruch. Am 1. Februar wurde die Einrichtung des Feuerlöschwesens gemäß der Feuerlöschordnung, mit Einteilung der Mannschaften, der Entlohnung und vieles mehr beschlossen. Diese „Lokalfeuerlöschordnung der Gemeinde Hossingen“ von 1887-1902 ist im Original erhalten und befindet sich noch heute im Gemeindearchiv. Auch die solange vergeblich geforderte Saugspritze wurde 1887 angeschafft. Diese Spritze ist noch heute erhalten und wurde mit Liebe und Sorgfalt im vergangenen Winter von einigen aktiven Wehrmännern gründlich renoviert.

 

Die Gesamtstärke der Hossinger Feuerwehr betrug 1887 nicht weniger als 80 Mann, die in sechs Züge aufgegliedert waren, wobei jeder Zug seine besonderen Aufgaben hatte. Im 1. Zug waren Steiger, Retter und Schlauchleger zusammengefasst, der 2. Zug war die Spritzmannschaft und der 3. Zug die Ablösungsmannschaft zur Spritze. Der 4. Zug waren Wasserschöpfer und Wasserträger, der 5. Zug die Spritzmannschaft der alten Tragspritze und der 6. Zug war eine Leistungs- und Stützmannschaft.
Dem Kommandanten stand ein Hornist zur Seite, der die entsprechenden Kommandos in genau festgelegten Hornsignalen zu blasen hatte.
Ergänzt wurde die Wehr von einer Wachmannschaft mit 4 Mann, 2 Laternenträger, 4 Sturmläuter und 3 Feuerreiter.
Interessant ist die Aufgabe der Feuerreiter: Der erste hatte das Oberamt in Balingen zu verständigen, wobei er über Tieringen reiten musste und es dort ohne Aufenthalt zu verkünden hatte; der zweite musste nach Meßstetten und der dritte nach Unterdigisheim und Oberdigisheim.

Wesentliche Änderungen erfuhr das Feuerlöschwesen im Jahre 1892 in unserer Gemeinde. Der Grund war die Fertigstellung der Heubergwasserversorgung. Endlich hatte die dauernde Wassernot ein Ende. Trink- und Löschwasser standen nun in ausreichender Menge zur Verfügung. Der 4. Zug der Feuerwehr wurde nun in eine Hydrantenmannschaft umgewandelt. Musste vorger jeder Feuerwehrmann außer den 3 gemeindeeigenen Brunen auch 20 private Brunnen, sogenannte Zisternen, kennen, so war nun eine Hydrantenleitung mit  21 Hydranten auf das gesamte Ortsgebiet verteilt. Ab diesem Jahr brauchte der erste Feuerreiter auch nicht mehr nach Balingen reiten; nunmehr hatte er sich nach Laufen zu begeben du von dort zu telegraphieren.

Den höchsten Mannschaftsstand hatte die Hossinger Feuerwehr im Jahre 1892 mit 82 Mann. Später sank die Zahl auf knapp 70 Mann und erreichte 1943, also während des 2. Weltkrieges mit 22 Mann einen Tiefstand.
Nach mündlichen Überlieferungen mussten in den Kriegsjahren 1944/45 die jungen Mädchen nach der Schulentlassung in Hossingen Feuerwehrdienst leisten, sofern sie nicht zu anderen kriegswichtigen Tätigkeiten abkommandiert wurden. Leider liegen über diesen Zeitraum keinerlei schriftliche Aufzeichnungen vor. Nach längeren intensiven Nachforschungen gelang es, anlässlich des 125 jährigen Jubiläums der Feuerwehr Hossingen, noch vier dieser Frauen ausfindig zu machen:
Erika Bodmer
Rösle Bodmer
Hilde Eppler
Berta Wizemann

Tradition in Hossingen ist es, dass sich das Feuerwehrmagazin im Rathaus befindet. Als im Jahre 1957 die Gemeindeverwaltung ihr altes, baufälliges Rathaus verlässt und nach erfolgtem Umbau des früheren Schulhauses ein neues an der Hauptstraße gelegenes Gebäude bezieht, ist dies auch für die Freiwillige Feuerwehr mit einem Umzug in ein neues Magazin verbunden.
Nachhaltig wurde die Alarmierung der hiesigen Wehr 1960 durch den Einbau einer elektrischen Sirene verbessert. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte die Alarmierung durch eine kleine Handsirene, die noch heute erhalten ist. Bei stürmischem Wetter war dies natürlich ein etwas zeitraubendes und oft auch unzulängliches Unterfangen.

Im Jahre 1961 wurde die erste, kleine Motorspritze angeschafft, die in einem kleinen Anhänger untergebracht war und immer mit dem am schnellsten verfügbaren Traktor zum Einsatzort gebracht wurde. Die Schnelligkeit der hiesigen Wehr beeindruckte den damaligen Kreisbrandmeister Stickel am 15. September 1963. Er war an diesem Tage zu einem privaten Besuch in Hossingen. Um 14:15 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Vei der Dreschhalle der Spar- und Darlehenskasse war ein Haufen Dreschabfälle durch Selbstentzündung in Brand geraten. Schon 4 Minuten nach der Alarmierung rückte die hiesige Wehr aus. Noch am selben Tage, es war ein Sonntag, mussten die Jünger Sankt Florians zu einem zweiten Einsatz ausrücken. Ein vor einem Bauernhaus abgestellter Garbenwagen war in Brand geraten. Es ist dies bisher der einzige Tag, dass in den bis zum Jahre 1926 erhaltenen Rapportbüchern gleich zwei Einsätze verzeichnet sind.

Der 6. Oktober 1971 schließlich ist in der jüngeren Geschichte des Feuerlöschwesens ein wichtiges Datum. An diesem Tage übernahm die Feuerwehr in Giengen an der Brenz ihr neues Feuerwehrauto, einen von der Firma Ziegler ausgerüsteten Ford Transit (TSF). Schon wenige Tage später, am 5. November, war der erste Einsatz. In Richtung Tierberg war ein Brand in einer neu eingepflanzten Fichtenkultur entstanden. Leider erwies sich das neue Fahrzeug für diesen Zweck als ungeeignet. Mit dem Inhalt eines großen Jauchefasses wurde der Brand gelöscht und größerer Schaden verhindert. Es war dies zwar eine etwas anrüchige, aber trotzdem wirkungsvolle Maßnahme.

Zwei Großbrände in der Nachkriegsgeschichte sind der Hossinger Bürgerschaft tief im Gedächtnis eingegraben. Am 31. Dezember 1958 vernichtete ein Großbrand die beiden Wohn- und Ökonomiegebäude des Hugo Marske und der Katharina Eppler. Trotz eifrigstem Bemühen der Hossinger und der zur Hilfe gerufenen Feuerwehr aus Oberdigisheim konnte größerer Sachschaden nicht verhindert werden.
Auch am 29. Dezember 1975 entstand durch einen beim Heupressen verursachten Brand im Gasthaus zum „Adler“ hoher Sachschaden. Obwohl sich die hiesige Wehr mit Unterstützung der Feuerwehr aus Meßstetten mit modernsten Großgeräten intensiv um die Eindämmung des Schadenfeuers bemühten, war auch hier ein hoher Sachschaden nicht zu verhindern.

Namensliste der Kommandanten

Erste nachweisliche Aufzeichnungen vom Jahre 1887

1887-1907               Karl Roth

1907-1919               Karl Öfinger

1919-1931               Friedrich Roth

1931-1946               Rudolf Scherle

1946-1948               Ernst Bodmer

1948-1963               Richard Bodmer

1963-1970               Albrecht Eppler

1970-1988               Günter Bodmer

1988-2014               Heinz Scheu

2014-2015               Andre Bobek

seit 2015                  Dominik Gemlin

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